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Gedanken zum Advent

Wie wertvoll war die Zeit im Dezember, wenn die Arbeit getan war und es abends „gemütlich“ wurde! Wir haben in meiner Kindheit an nahezu jedem Abend eine „Adventsstunde“ abgehalten. Die Kerzen des Adventskranzes wurden angezündet, die kleine Krippe – ich hüte sie immer noch als wertvolles Erinnerungsstück – wurde neben dem Adventskranz platziert. Es gab selbstgebackene Kekse, meine Mutter, meine Großeltern und ich haben Weihnachtslieder gesungen und Gedichte oder Geschichten gelesen. Eine schöne, ruhige Stunde lang. Ich erinnere mich, dass ich auch die Zeit „zwischen den Jahren“ immer besonders genossen habe. Meine Mutter musste nicht zur Arbeit, sie hatte Zeit für mich, die Hausarbeiten ruhten weitestgehend, ich konnte mich in die Bücher vertiefen, die ich zu Weihnachten bekommen habe. Alles lief irgendwie auf Sparflamme …

Gern hätte ich weiterhin in diesem positiven Tenor geschrieben. Vielleicht wären auch bei Ihnen und Euch Kindheitserinnerungen an die Advents- und Weihnachtszeit geweckt worden. Jedoch noch immer hat die Corona-Pandemie meine Gedanken im Griff.

In unseren Dörfern sollte in diesem Jahr die schöne Tradition des Lebendigen Adventskalenders wiederbelebt werden. Daraus wird nun leider nichts. Konzerte und Fußballspiele in vollen Hallen und Stadien mit mehreren tausend Besucher*innen fanden bereits wieder statt. Die Weihnachtsmärkte sollen – so der Stand bei Redaktionsschluss – öffnen. Die Freude darüber wird getrübt von Inzidenzzahlen, die die vom letzten Jahr weit überschreiten. Intensivbetten sind mit schweren Corona-Verläufen belegt, die Behandlungskapazitäten werden immer geringer. Das Ärzte- und Pflegepersonal, deren Leistung nicht genug gewürdigt werden kann, ist erschöpft. Müssen wir alle nicht alles daranset- zen, gesund zu bleiben? Denn auch und gerade diese Menschen haben ein Anrecht auf die Erfüllung der Wünsche, die auf den Weihnachtskarten stehen, die wir ganz analog per Post oder auch digital verschicken: Eine ruhige und besinnliche Adventszeit, fröhliche Weihnachten und ein gutes, gesundes Neues Jahr.

Schaffen wir uns vielleicht doch lieber genussvolle Momente der Ruhe und des Innehaltens? Nutzen wir die besinnliche Advents- und Weihnachtszeit dazu, es uns ganz besonders schön und kuschelig zu machen und lassen wir in diesem Jahr das Laute und Hektische einfach nochmal außen vor?

Uwe Birnstein, ein evangelischer Theologe und Publizist, hat gesagt: „Jahr für Jahr im Dezember erinnern sich Christen in der Adventszeit daran, dass Gott in die Welt gekommen ist. Mit den Menschen zu biblischen Zeiten sind heutige Christen in der Hoffnung verbunden, dass sich am Ende alles gut füge: dass das Licht die Dunkelheit besiegt, dass Gott alle Tränen abwischen und dass eine Zeit unendlichen Friedens einkehren wird. Gründe genug, in der Adventszeit abzuwarten und getrost Tee zu trinken.“

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Euch all das, was als Weihnachtskarte ganz analog per Post oder auch digital verschickt wird – siehe oben,

Martina Goetzke