Aktuelles

„Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah.“

Dieses Foto habe ich im Wald bei Bettmar aufgenommen, als ich während des Corona Lockdowns mit dem Rad einen kleinen Ausflug machte. Die Sonne schien, der Wald war fast leer – und ich fühlte mich beschwingt. Da kam mir ein geflügeltes Wort in den Sinn: „Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah.“ Statt einer Stunde Autofahrt in Asse, Elm oder Harz war ich hier sozusagen „vor der Tür“ und konnte ohne großen Aufwand Stille, frische Luft und Natur genießen.

Die Coronakrise hat unser aller Leben grundlegend verändert. Sie verlangt von uns den Verzicht auf vieles, was uns selbstverständlich war: Sich frei bewegen und ungezwungen begegnen, einkaufen und reisen wohin man will. Gleichzeitig stehen wir plötzlich vor neuen Herausforderungen: Den ganzen Tag die Kinder um sich haben, daneben Home-Office und Haushalt erledigen; auf begrenztem Raum zusammen sein; die Sorge um den Arbeitsplatz oder den Betrieb; die Einsamkeit, wenn man Verwandte, Freunde, die Kinder und Enkel nicht treffen kann; der Verlust an Gemeinschaft und Miteinander; und nicht zuletzt der Verzicht auf kirchliches Leben.

Und nun erleben wir erstmals seit langem eine auferlegte Fastenzeit, die nun mit der 40-tägigen kirchlichen Fastenzeit zusammenfällt, die in diesem Jahr am 17. Februar mit Aschermittwoch beginnt. Zum Fasten gehört nicht nur Verzicht, sondern seine eigentliche Bedeutung liegt darin, sich wieder auf das Wesentliche im Leben zu besinnen. Der „Fasten-Klassiker“ ist der Verzicht auf Genussmittel wie Süßigkeiten und Alkohol, aber auch der bewusste Umgang mit Medien. Dabei geht es neben Verzicht auch um die Möglichkeit, bewusster zu leben und neue Freiräume zu entdecken, ganz nach dem Motto: „Weniger ist mehr.“ Ein „Mehr“ ist dann zu erreichen, wenn der oder die Fastende verinnerlicht, dass es vor allem darum geht, sich zu besinnen und nachzudenken. Es scheint sich das Bewusstsein durchzusetzen, dass Haben und ein Immer-Mehr nicht alles sind, ja, dass ein Weniger gut ist, auch weil es anderen nutzt; dass uns ein „wir“ weiterbringt als ein bloßes „ich“. In meinem bewussten, freiwilligem Verzicht auf etwas, erfahre ich gleichzeitig eine Bereicherung, und es öffnen sich neue Horizonte und Sichtweisen. Dahinter steht auch das religiöses Bedürfnis, mein Verhältnis zu Gott zu klären. Für die nächsten Wochen und Monate wünsche ich Ihnen Geduld und die Erfahrung, durch Verzicht Ihr Leben bereichern zu können

Ihr Erhard Kälber