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Unser tägliches Brot gib uns heute …

Liebe Leserin, lieber Leser,

Das Titelbild veranschaulicht eine Bitte aus dem Vaterunser, das wir in jedem Gottesdienst sprechen: „Unser täglich Brot gib uns heute.“ So natürlich auch im Erntedank-Gottesdienst, in dem der Altar wie in jedem Jahr mit Erntegaben festlich geschmückt ist. Sie und das Brot stehen symbolisch für alles, was wir erhalten oder erreicht haben, verdient oder unverdient.

Was wir täglich an Lebensmitteln brauchen, das verdanken wir zwar gewiss auch menschlichem Tun, aber letztlich der Tatsache, dass die Erde Frucht trägt, aus denen Menschen dann Lebensmittel herstellen. Was einst Matthias Claudius in seinem Lied „Wir pflügen und wir streuen“ über das Brot dichtete, bringt es auf den Punkt: „Es geht durch unsre Hände, kommt aber her von Gott.“

Der Dank bezieht sich in den Got- tesdiensten des Erntedanktages nicht nur auf das „tägliche Brot“, sondern auf alles, womit Gott unser Leben reich macht: den Arbeitsplatz, die Menschen um uns herum, kleine und große Erfolge und geschenktes Glück.

Das schließt Dankbarkeit und Respekt auch gegenüber den Menschen ein, die mit ihrer Arbeit zu unserem Leben beitragen. Jeder von uns wird viele „Ernten des Lebens“ benennen können, für die zu danken Anlass ist. So gehört zum Erntedankfest das Nachdenken über eine gerechte Verteilung der Gaben untrennbar mit dazu.

Das Lied 420 im Gesangbuch sagt konkret, wie das aussehen kann:

„Brich mit den Hungrigen dein Brot, sprich mit den Sprachlosen ein Wort, sing mit den Traurigen ein Lied, teil mit den Einsamen dein Haus.“

Dankbarkeit führt zu Nachdenklichkeit und einem aktiven Handeln, das sich in Wort und Tat auf die anderen Menschen hin ausrichtet.

Auch unser soziales Verhalten kann Dankbarkeit durch wertschätzendes Miteinander ausdrücken. Unsere Gesellschaft hat Regeln, die das Zusammenleben erleichtern und Konflikte vermeiden helfen. Diese Selbstverständlichkeiten werden aber oft ignoriert, im Verkehr, in der Nachbarschaft, in Coronazeiten, ganz nach dem Motto: Für mich gelten nur meine Regeln.

Zeigen wir also nicht nur Dankbarkeit für die Ernte, sondern auch Verantwortung für alles und jedes, was damit zusammenhängt: Verantwortung für diesen einzigartigen Pla- neten und für seine Bewohner – für jedes Lebewesen der Tier- und Pflanzenwelt und für uns selbst.

Ihr
Erhard Kälber