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Corona stellt alles auf den Kopf

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Corona stellt alles auf den Kopf“, so nennt die Fotografin Martina Goetzke das Titelbild. Dieser warmrote Klatschmohn, auch er steht leicht verzerrt auf dem Kopf. Die Corona-Krise stellt Vieles auf den Kopf. Auch die wunderschöne Natur. Die Klimakrise führt uns das schnell vor Augen.

Und wir haben Vieles auf den Kopf gestellt. Die Corona-Krise entlarvt auch das an vielen Stellen. Sie fokussiert auf Brennpunkte unseres Zusammenlebens. „Pflegeheime, Schulen, arme Länder, Schlachthöfe, Gewalteskalation, Stuttgart, USA“, so vieles ist verzerrt, falsch herum, verkehrt.

Und bei uns? Die Abstandsregeln machen uns zu schaffen. Auch sie verzerren, verkehren eine existentielle Seite unseres Lebens: Statt Nähe, statt Berührung, statt Kontakt müssen wir Distanz halten. Kontakt kommt von „con“ und „tangere“, das heißt „mit, zusammen“ und „berühren“. Statt „mit“ anderen, statt „berührt werden“ gilt: Distanz, Abstand, sich entfernen, für sich sein.

Der Mensch aber ist auf Nähe angelegt, oder etwa nicht? Wir sagen „Mitmensch“ und meinen: Wir sind auch auf körperliche, soziale und psychische Nähe angewiesen. Auf den echten Dialog zwischen Dir und mir. „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“, „Ich werde erst am Du“, an der Begegnung, auch an der Berührung, am Kontakt mit dem anderen, dem Mitmenschen.

Wenn das zunehmend erschwert wird, läuft etwas verkehrt. Und die Sehnsucht wächst, das Verkehrte umzudrehen.

So gilt es in Corona Zeiten mehr denn je, den Weg der Nähe zu suchen, das Mit-einander, das Mit-gehen, das Mit-menschliche, das Mit-geschöpfliche neu zu entdecken. Und so dem Klatschmohn und uns Menschen wieder auf die Beine zu helfen.

Einer hat uns das vorgemacht. Jesus Christus. Er ist mit uns, er schenkt uns Kraft, umzukehren auf den Weg der Mitmenschlichkeit. Er ist uns zum Segen geworden, auf dass wir dem Mitmenschen und der Natur „wirklich begegnen“, zum Segen werden.

Mit Corona leben lernen, heißt für mich deshalb auch, die Distanz in Kopf und Herz umkehren, sich umdrehen zu lassen; und dem anderen „Nähe zeigen“, mit einer Haltung, die Anteilnahme, Freundlichkeit und liebevolle „Annäherungsversuche“ ausstrahlt. Und das alles in der Hoffnung, dass das Abstandhalten nur vorübergehend sein wird. Mit der Hoffnung, dass alle Verzerrungen, alles Für-sich- sein zum Mit-sein, zur Berührung umkehrt. Zur Farbe der Liebe, zum warmroten Klatschmohn.

Ihr /Euer
Johannes Büscher, Pfr.