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Gemeindebrief Dezember – Januar 2017

Festliches Geläut

Vermutlich haben die wenigsten von Ihnen diese große Glocke erkannt, obwohl Sie sie alle kennen: Sie hören ihren Klang regelmäßig am Mittag, Abend und Sonntagmorgen.

In der Denstorfer Kirche hängen zwei Glocken. Neben der kleinen Glocke von 1748 hängt die große Glocke von 1776 mit der Inschrift „O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort.“

Von meiner Großmutter habe ich gelernt, dass die Glocken uns rufen, vor allem zu den Gottesdiensten, bei denen wir geistlich auftanken und Gemeinschaft erfahren dürfen im miteinander Singen, Beten, Hören und Feiern, – und dass sie uns von der Wiege bis zum Grab durch das Leben begleiten: bei Taufe, Konfirmation, Hochzeit und Beerdigung. Wenn sie also im Laufe des Tages läuten, geben sie uns zeitliche und geistige Orientierung.

Und was wäre das bevorstehende Weihnachten ohne festliches Geläut und die frohe Botschaft – oder Neujahr ohne das Einläuten des kommenden Jahres mit der Bitte für ein gesegnetes und friedvolles Miteinander?

Die Tradition von Kirchenglocken und ihr Klang sind in unseren Tagen keineswegs mehr Allgemeingut. Dass Kirche in aller Öffentlichkeit in Abläufe hinein greift, und damit auch in meine persönlichen Interessen, und sei es auch nur in meine Ruhe und den morgendliche Schlaf, das wird nicht mehr von allen Menschen akzeptiert.

Doch genau das will das Läuten von Glocken sein: Es ist ein öffentlicher und bisweilen auch politischer Akt. „Politisch“ im guten alten Sinn des Wortes: „das öffentliche Wohl betreffend“.

Dazu passen auch die Worte des Propheten Jeremia auf unserer großen Glocke: „O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort.“ Dieser Prophet ruft eine unbequeme Botschaft und Mahnung in seine Zeit hinein und ist dafür nicht gelobt, sondern gescholten und belächelt worden. Sein Ruf nach Besinnung auf Gottes Botschaft von Recht und Gerechtigkeit ist so aktuell wie eh und je, wenn er fragt, wie wir mit den Armen und Schwachen in unserer Mitte umgehen oder wenn wir bei Problemen die Schuld bei Fremden suchen.

All das sollen wir mithören, und all das ist mit gemeint, mit der Inschrift auf unserer großen Glocke: „O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort.“ Es ist an die Öffentlichkeit gerichtet, damit das Leben anders wird.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr 2017.

Erhard Kälber

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